LiDAR vs Laserscanning – wo liegt der technische Unterschied?
In der täglichen Arbeit von Architekten, Ingenieuren und BIM-Koordinatoren werden die Begriffe LiDAR und Laserscanning häufig synonym verwendet. In frühen Projektphasen mag diese Vereinfachung unkritisch erscheinen. Spätestens bei der Bestandsaufnahme, in der Ausführungsplanung oder bei der Fachkoordination führt sie jedoch zu falschen Erwartungen an Genauigkeit, Datenstruktur und Weiterverwendbarkeit.
Der Unterschied zwischen LiDAR vs Laserscanning ist kein sprachlicher, sondern ein technisch-praktischer. Er beeinflusst unmittelbar, ob erfasste Daten für Scan-to-BIM-Workflows, As-Built-Modelle oder die technische Koordination geeignet sind.
Laserscanning als Messverfahren
Unter Laserscanning versteht man den Messprozess, bei dem Entfernungen mittels Laserimpulsen erfasst und als dreidimensionale Geometrie abgebildet werden. Das Ergebnis dieses Vorgangs ist eine Punktwolke, die die reale Geometrie eines Objekts oder Bauwerks widerspiegelt.
Laserscanning beschreibt damit:
- den Erfassungsprozess,
- die Art der Messung,
- nicht jedoch das vollständige technische System.
Für sich allein sagt der Begriff noch nichts über Genauigkeit, Plattform oder Einsatzbereich aus.
LiDAR als Messtechnologie
LiDAR (Light Detection and Ranging) bezeichnet die zugrunde liegende Messtechnologie, die Laserscanning ermöglicht. Sie umfasst nicht nur die Distanzmessung, sondern ein gesamtes System aus:
- Laseremission und Laufzeitmessung,
- Positions- und Lagebestimmung,
- zeitlicher Synchronisation,
- rechnerischer Auswertung der Messdaten.
In der Praxis bedeutet dies:
Laserscanning ist der Vorgang, LiDAR die technische Grundlage.
Ursache der begrifflichen Vermischung
Die häufige Gleichsetzung von LiDAR und Laserscanning resultiert daraus, dass moderne Laserscanner technisch auf LiDAR basieren. Daraus entsteht der Eindruck, es handele sich um identische Begriffe.
In der Planungspraxis ist diese Vereinfachung problematisch, da LiDAR-Systeme sehr unterschiedliche Plattformen und Genauigkeitsniveaus umfassen, die nicht vergleichbar sind.
Terrestrisches Laserscanning (TLS) im Kontext von LiDAR

Aus ingenieurtechnischer Sicht ist terrestrisches Laserscanning (TLS) eine spezialisierte Anwendung der LiDAR-Technologie, entwickelt für hochpräzise Messungen von Gebäuden und technischen Anlagen.
Gängige LiDAR-Plattformen sind:
- TLS (Terrestrial Laser Scanning) – stationäre, bodengebundene Systeme
- MLS (Mobile LiDAR) – bewegte Systeme auf Fahrzeugen
- ALS (Aerial LiDAR) – luftgestützte Erfassung mit Drohnen oder Flugzeugen
Für die Arbeit an Bestandsgebäuden, in BIM-Projekten und bei der technischen Koordination ist ausschließlich TLS geeignet.
Genauigkeit als zentrales Entscheidungskriterium
In der Baupraxis ist Genauigkeit kein theoretischer Wert, sondern eine funktionale Anforderung. Sie bestimmt, ob Punktwolken für Modellierung, Koordination und Ausführungsplanung nutzbar sind.
Vergleich der typischen Genauigkeit
| Technologie | Typische Genauigkeit | Praktische Nutzung |
|---|---|---|
| TLS | ±2–3 mm | BIM, As-Built-Modelle, Kollisionsprüfung |
| MLS | ±10–30 mm | Infrastruktur, Verkehrsflächen |
| ALS | ±50–150 mm | Gelände- und Flächenmodelle |
Im Kontext von LiDAR vs Laserscanning ist daher stets zu klären, welche Plattform eingesetzt wird.
Laserscanning im Scan-to-BIM-Workflow

In der BIM-Praxis bildet TLS häufig die Grundlage für strukturierte digitale Bestandsmodelle. Die Punktwolke dient dabei als geometrische Referenz für die Modellierung von:
- Architektur
- Tragwerk
- technischen Gewerken (MEP)
Darauf aufbauend entstehen As-Built-Modelle, die für:
- Ausführungsplanung,
- Fachkoordination,
- Kollisionsprüfung,
- Übergabe an das Facility Management
genutzt werden können.
Typische Formate sind RVT, IFC und DWG.
Bedeutung für Sanierung und Umbau
Gerade bei Sanierungs- und Umbauprojekten ist eine verlässliche Bestandsaufnahme entscheidend. Historisch gewachsene Gebäude, nachträgliche Änderungen und fehlende Bestandsunterlagen machen klassische Planungsgrundlagen unzuverlässig.
Hier ermöglicht TLS:
- geometrisch belastbare Entscheidungsgrundlagen,
- Reduktion von Planungsrisiken,
- transparente Koordination zwischen Fachplanern.
Wann LiDAR-basierte Erfassung nicht sinnvoll ist
Nicht jedes Projekt erfordert millimetergenaue Bestandsdaten. In frühen Projektphasen oder bei rein konzeptionellen Untersuchungen kann der Aufwand unverhältnismäßig sein.
In der Planungspraxis ist daher eine Abwägung zwischen Datentiefe und Projektziel erforderlich.
Praktische Konsequenz der Unterscheidung
Die saubere Unterscheidung zwischen LiDAR und Laserscanning ermöglicht:
- realistische Erwartung an Genauigkeit,
- korrekte Auswahl der Erfassungsmethode,
- klare Kommunikation zwischen Planung, Vermessung und BIM-Koordination.
FAQ – LiDAR vs Laserscanning
Ist LiDAR gleichbedeutend mit Laserscanning?
Nein. Laserscanning beschreibt den Messprozess, LiDAR die technische Grundlage.
Welche Methode ist für BIM geeignet?
Für BIM-Modelle ist ausschließlich terrestrisches Laserscanning geeignet.
Kann Drohnen-LiDAR für Gebäudeplanung genutzt werden?
Nein. Die Genauigkeit reicht für technische Gebäudeplanung nicht aus.
Welche Ergebnisse liefert TLS?
Punktwolken sowie daraus abgeleitete BIM- und CAD-Modelle.
Ist TLS in jedem Projekt erforderlich?
Nein. Der Einsatz richtet sich nach Planungsziel und Genauigkeitsanforderung.
Fazit
Der Unterschied zwischen LiDAR vs Laserscanning ist für die Bau- und Planungspraxis von zentraler Bedeutung. Während LiDAR eine breite Familie von Messtechniken beschreibt, stellt terrestrisches Laserscanning das präzise Werkzeug für BIM-basierte Bestandsaufnahme und Ausführungsplanung dar.
Eine korrekte technische Einordnung ist Voraussetzung für belastbare Planungsergebnisse.
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